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Janines Wahlkolumne: Warum ich die Welt nicht retten kann, es aber trotzdem versuche

Eine sehr persönliche Kolumne

Beitrag vom: 19.08.2020

 

Nicht nur wegen Covid-19 ist der Blick in die Nachrichten oft ernüchternd. Die Klimaziele sind kaum noch zu erreichen. Hat der Take-Off (quasi ein Punkt, ab dem sich die Erde durch menschengemachte Klimaveränderungen selbst weiter aufheizt und der Mensch nichts mehr tun kann) vielleicht bereits stattgefunden?

Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich und viele Andere bereits tun, was sie können. Ich fliege grundsätzlich nicht in den Urlaub, wickel meine Kinder mit Stoff, kaufe Second Hand, um Ressourcen und Geld zu sparen. Aber Fakt ist: Was kann der Einzelne überhaupt tun? Die meiste Lebensmittelverschwendung findet direkt in der Landwirtschaft statt, der Flugverkehr nimmt nicht ab, weil er faktisch subventioniert wird und Menschen produzieren so viel Müll, weil sie nun einmal nur den Discounter vor ihrer Haustür haben. Aber warum sollte ein Mensch alleine die Welt retten? Auch ich lebe nicht ohne Plastikmüll, zwar vegetarisch, aber nicht vegan und auch meine kleine Familie besitzt ein Auto. Und manchmal fühle ich mich schuldig deshalb. Oder auch „heuchlerisch“  wie viele uns Grünen ja gerne mal vorwerfen. Und dann habe ich Angst, dass alles gar keinen Sinn mehr macht, auch wenn sich die meisten Experten einig sind, dass wir die Erde noch als lebenswerten Raum erhalten können.

Für mich ist das aber auch der Grund, warum ich mich engagieren möchte und muss. Auf struktureller Ebene muss sich etwas ändern! Auch in unserem Alsdorf. Ich möchte, dass es für jeden einfacher wird, gute Entscheidungen für unsere Stadt zu treffen. Ich möchte, dass die Busse zum Tierpark häufig genug fahren, dass eine Mutter mit zwei kleinen Kindern sich gerne dafür entscheidet, mit dem Bus zu fahren und keine Angst hat, eine Stunde mit müdem Kleinkind warten zu müssen. Ich möchte, dass es nicht die günstigste Variante ist, einfach keine Biotonne zu haben und alles in die Restmülltonne zu werfen. Ich möchte, dass Verschattung durch Bäume das zu Fuß gehen oder Radfahren in Alsdorf im Sommer angenehmer werden lässt als mit dem Auto durch Betonwüsten zu kurven. Und ich möchte, dass jede und jeder möglichst in (kinder-)fußläufiger Nähe einen KiTa- oder Schulplatz bekommt, um die katastrophalen Parksituationen vor den Einrichtungen zu entschärfen.

Mit wird immer bewusster, dass ich als Einzelne so nachhaltig und umweltfreundlich leben kann, wie ich will. Veränderungen bringt nur die Masse. Daher kandidiere ich als Bürgermeisterin und Stadträtin.